Die Sami sind die Ureinwohner Lapplands und blicken auf eine jahrtausendealte Kultur zurück, die tief mit der Natur des Nordens verbunden ist. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich über die nördlichen Regionen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands. Traditionell lebten die Sami als Nomaden, folgten den Rentierherden und nutzten die Ressourcen der arktischen Landschaft für Ihre Ernährung und ihr Handwerk.

 

Europas unbekannte Ureinwohner

Wenn von Ureinwohnern die Rede ist, denken viele an die Indianer Amerikas oder die Maori Neuseelands. Weniger bekannt ist, dass auch im nördlichen Teil Europas eine indigene Bevölkerung lebt: die Sami. Sie sind das einzige anerkannte indigene Volk Europas und bewohnen seit mindestens 3.000 Jahren das Gebiet Sápmi, das sich über Teile von Norwegen, Schweden, Finnland und die russische Halbinsel Kola erstreckt. Trotz ihrer langen Geschichte ist die Kultur der Sami vielen Menschen kaum bekannt. Eventuell liegt es daran, dass es keine Hollywood-Filme über die gibt oder weil die Kolonialisierung in Skandinavien weniger blutig verlief als anderswo. Dennoch war sie real und hinterließ Spuren, die erst heute aufgearbeitet werden.

Wer sind die Sami?

Sami mit Rentier © Mikko Ryhänen / Visit Finland
Sami mit Rentier © Mikko Ryhänen / Visit Finland

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sami sind eine vergleichsweise kleine Volksgruppe mit einer starken kulturellen Identität. Laut Definition der Vereinigten Nationen gelten sie als Urbevölkerung, da sie ihre Region bewohnten, bevor diese kolonialisiert wurde und bis heute ihre Kultur und Sprache bewahren. Ihre traditionelle Lebensweise ist eng mit der Natur verbunden, insbesondere mit der Rentierhaltung, die bis heute ein wichtiger Bestandteil ihrer Kultur ist.

Geschichte und Kolonialisierung

Archäologische Funde und historische Quellen belege, dass die Sami seit Jahrtausenden im Norden Skandinaviens leben. Die Kolonialisierung ihres Landes verlief weniger gewaltsam als in anderen Teilen der Welt, dennoch wurden die Sami über Jahrhunderte diskriminiert. Ihre Sprache, Land- und Fischereirechte wurden eingeschränkt und im 19. Jahrhundert betrieb der schwedische Staat eine gezielte „Schwedisierung“. Erst in den letzten Jahrzehnten bemühen sich die nordischen Länder um die Anerkennung und den Schutz der samischen Kultur.

Kulturelle Symbole

Kunsthandwerk der Sami © Anna Öhlund/imagebank.sweden.se
Kunsthandwerk der Sami © Anna Öhlund/imagebank.sweden.se

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sami tragen bei festlichen Anlässen ihre traditionelle Tracht, den Gakti und pflegen das Kunsthandwerk Duodji. Ein zentrales Element ihrer Kultur ist der Joik, ein spiritueller Gesang, der zu den ältesten Musiktraditionen Europas gehört. Der Samefolkets dag, der samische Nationalfeiertag am 6. Februar, wird seit 1986 in allen samischen Gebieten gefeiert. Heute weht die samische Flagge auch über offiziellen Gebäuden wie dem Stockholmer Rathaus.

Die heutigen Sami

In Skandinavien leben heute rund 80.000 Sami, etwa ein Viertel davon in Schweden. Exakte Zahlen gibt es nicht, da die ethnische Zugehörigkeit aus historischen Gründen nicht registriert wird. Die meisten von ihnen führen kein nomadisches Leben mehr, sondern wohnen in festen Häusern, oft mit mehreren Wohnsitzen, um den Rentieren zu folgen. Viele kombinieren die Rentierhaltung mit anderen Berufen, etwa im Tourismus oder Design. Sami sind heute in allen Berufsgruppen vertreten und ihre Kultur passt sich den modernen Lebensbedingungen an, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.

Sprache und Bildung

Das Samische gehört zur finno-ugrischen Sprachfamilie und umfasst drei Hauptsprachen: Ost-, Zentral- und Südsamisch, dazu zählen Dialekte. Die Unterschiede sind so groß wie zwischen Deutsch und Schwedisch. Durch die „Schwedisierung“ im 19. Jahrhundert ging viel Sprachwissen verloren, doch die jüngere Generation bemüht sich, die Sprache wiederherzustellen. In Nordschweden gibt es spezielle Schulen für Sami-Kinder, in denen Samisch und Kultur unterrichtet werden. Auch in regulären Schulen besteht ein Recht auf muttersprachlichen Unterricht.

Traditionelle Kultur und Lebensweise

Rentierschlitten © Anna Öhlund/imagebank.sweden.se
Rentierschlitten © Anna Öhlund/imagebank.sweden.se

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sami lebten ursprünglich als Jäger und Sammler, später wurde die Rentierzucht zur zentralen Lebensgrundlage. Rentiere liefern Fleisch, Milch, Felle und dienten als Transportmittel. Sie organisieren sich in Familienverbänden, sogenannten Siida und folgten den saisonalen Wanderungen der Herden. Ihre Behausung waren mobile Zelte (Lavvu), die sich leicht abbauen ließen. Heute leben noch etwa 10-15% der schwedischen Sami ganz oder teilweise von der Rentierzucht – ein Erwerbszweig, der in Schweden ausschließlich den Sami vorbehalten ist.