Bergen in Norwegen mit den Hanse Häusern

Bergen - das Tor zu den norwegischen Fjorden

Der Name der zweitgrößten Stadt Norwegens leitet sich von dem Wort bjørgvin ab und heißt in etwa „Bergwiese“.merken
Der Name der zweitgrößten Stadt Norwegens leitet sich von dem Wort bjørgvin ab und heißt in etwa „Bergwiese“. Wie der Name bereits verrät ist Bergen von sieben Bergen umgeben, davon ist der höchste Ulriken, dessen Gipfel man mit einer Gondelbahn erreichen kann. Auch der Fløyen, der sogenannte Hausberg der Stadt, ist einen Ausflug wert. Man erreicht seinen Gipfel mit der Standseilbahn Fløibanen, die auf einer von Norwegens ältesten Bahnstrecken verkehrt. Wer Norwegens Landschaft gerne während einer Zugfahrt kennenlernen und genießen möchte, sollte bereits mit der Bergenbahn von Oslo nach Bergen anreisen, denn bei dieser Linie handelt es sich um eine der schönsten und legendärsten Eisenbahnstrecken Europas.

Kurzinfo

Der Name der zweitgrößten Stadt Norwegens leitet sich von dem Wort bjørgvin ab und heißt in etwa „Bergwiese“.
Bergen wurde bereits im 11. Jahrhundert von Olav Kyrre als Stadtanlage gegründet, und hatte vor allem durch die Nähe zum Meer eine enorme Bedeutung als Markt- und Handelsplatz. Vor rund 600 Jahren, im späten Mittelalter, war Bergen von größerer Wichtigkeit als Kopenhagen und Stockholm, und galt aufgrund seiner Geschäftigkeit als die Hauptstadt des Nordens. Mit der Errichtung des Hanseatischen Kontors von 1350 wurde Bergen zum Handelsmonopol für ganz Norwegen. Geleitet wurden Kontor und Stadt von deutschen Hansekaufleuten, die 1550 jedoch die Macht an die norwegischen Behörden abtreten mussten, bis das Hansekontor im 18. Jahrhundert endgültig aufgelöst wurde.

Als das sogenannte „Tor zu den Fjorden“ lockt Bergen mit einer wunderschönen Landschaft, deren reiche Vegetation vor allem dem milden Klima zu verdanken ist. Obwohl Bergen die regenreichste Großstadt Europas ist, darf die heimliche Hauptstadt Norwegens, wie viele Bergenser sie bezeichnen, auf der Norwegenreise nicht fehlen. Nicht umsonst wurde Bergen 2000 zur europäischen Kulturstadt erklärt, schließlich zählt es zu den wichtigsten Kulturzentren des Landes.

Ein wichtiger Bestandteil Bergens ist das alte Hanseviertel (Tyske) Bryggen (dt. Deutsche Brücke). Hierbei handelt es sich um den damaligen Wohnsitz der deutschen Kaufleute an der Nordseite des Hafenbeckens Vågen. Die Hansekaufleute waren vor allem an getrocknetem Fisch aus Norwegen interessiert, und lieferten den Stockfisch auch in ferne Länder. Mitte des 13. Jahrhunderts drohte in Norwegen eine Hungersnot, und die Lübecker Kaufleute erhielten von König Håkon Håkonsson bestimmte Privilegien, worauf die Norweger im Gegenzug Getreide und Salz bekamen. Der Sitz des deutschen Kontors wurde Brücke genannt, weil die Häuser zum Be- und Entladen der Schiffe direkt am Hafenbecken lagen. Da die Stadt trotz vieler Brände immer wieder nach mittelalterlichem Vorbild aufgebaut worden ist, und Bryggen als Beispiel für die hanseatische Architektur in Norwegen gilt, steht das Hanseviertel seit 1979 auf der UNESCO-Liste der weltweit unter Denkmalschutz stehenden Kulturgüter. Heute befinden sich in den vielen bunten Giebelhäusern von Bryggen u. a. einladende Bars und Cafés, in denen man sich nach einer Reise in die Hansezeit gemütlich zurücklehnen kann.

Ein weiteres, gut erhaltenes Relikt aus der Hansezeit ist die im 12. Jahrhundert erbaute, romanische Marienkirche, die 1408 in den Besitz deutscher Kaufleute übergegangen ist. Wie viele andere Hauptkirchen der Kaufleute ist die Marienkirche prächtig ausgeschmückt und der Mutter Gottes geweiht. Auf dem Boden der Kirche lassen sich viele Grabsteine deutscher Kaufleute und Pfarrer finden, die darauf hinweisen, dass die Marienkirche lange Zeit Tyskekirken, also die „Kirche der Deutschen“ gewesen ist. 1766 fiel die Kirche wieder in den Besitz des Königs, wodurch das Ende der Hansezeit markiert wird.

Nahe der Marienkirche liegt Bryggens Museum mit seinen kulturhistorischen Sammlungen, die die Ausgrabungen aus dem Bryggen-Viertel zwischen 1955 und 1972 dokumentieren. Der Besucher erhält hier einen Einblick in das Leben in Bergen um 1300, und kann sich im Außenbereich die Häuserfundamente des Deutschen Kontors ansehen.

Eine genauere Vorstellung vom Kaufmannsleben zur Zeit der Hanse bekommt man außerdem im Hanseatischen Museum an der Bryggenfront. Hier befindet sich u. a. ein alter hanseatischer Kaufmannshof namens Finnegården. Auch die Besichtigung der naheliegenden Schøtstuene (dt. Schötstuben), die den Kaufleuten als Versammlungsräume gedient haben, bietet sich beim Besuch des Museums an.

An der Einfahrt zum Hafenbecken Vågen liegt die Festung Bergenhus. Dies war im Mittelalter Bergens königliches und kirchliches Zentrum, und wurde im Laufe der Zeit zu Schloss und Festung ausgebaut. Hier befindet sich die Håkonshalle, der königliche Krönungssaal. Als Bergen im 13. Jahrhundert unter Håkon Håkonsson zur Reichshauptstadt wurde, brauchte man einen repräsentativen Königssitz. 1261 war die Steinhalle fertig, und wurde lange Zeit als Repräsentationsraum genutzt. Als 1944 ein Munitionsschiff im Hafen explodierte, wurde die Steinhalle zerstört. Am 700. Jahrestag der Krönung von Håkons Sohn Magnus, war die Halle 1961 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Heute finden hier Feste und Konzerte statt. Der im 16. Jahrhundert errichtete, nach dem dänischen Reichsrat benannte Rosenkrantz-Turm diente zur Verteidigung des Königshofes und als Wohnturm. Vom ursprünglichen Aussichtposten kann man auch heute noch das Panorama genießen.

Wer Lust auf einen schönen Bummel in Bergen hat, ist auf der Torgalmenningen auf jeden Fall richtig, denn in dieser Fußgängerzone befindet sich u. a. eine Filiale des Einkaufszentrums Galleriet, Norwegens berühmtestem Kaufhaus.

Bergen ist ein wichtiges Kulturzentrum, dies nicht zuletzt wegen seiner großen Auswahl an Museen und Ausstellungen. Wer sich für Kunst interessiert, sollte sich auf jeden Fall auf den Weg zum Stadtteich Lille Lungegårdsvatn machen. Dies ist ein achteckiger Kunstsee, der von Parkanlagen umgeben ist. Auf der Rasmus Meyers Allé liegt zunächst die Stenersens-Sammlung mit Werken moderner Künstler wie Picasso, Klee und Edvard Munch. Bergens Billedgalleri beherbergt eine Sammlung norwegischer Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Außerdem befindet sich auf der Allee die Sammlung des Kaufmanns und Kunstmäzens Rasmus Meyers, nach dem die Straße benannt worden ist.
Ausstellungen zu den Themen Naturwissenschaft und Geschichte befinden sich eher am Sydneshaugen, dem Hügel, der an die Torgalmenningen anschließt. Unten am Hügel liegt das Naturkundemuseum, welches über Geologie, Flora und Fauna der Region informiert. Nach einem Spaziergang durch den Botanischen Garten gelangt man zum Kulturhistorischen Museum. Dies zeigt Sammlungen aus vorhistorischer Zeit, der Zeit der Völkerwanderung und der Wikingerzeit. Außerdem gibt es eine Sammlung zur Kulturgeschichte der Samen und Grönländer.

Im Seefahrtsmuseum wird die Geschichte der Schifffahrt geschildert, die für Norwegen stets von großer Bedeutung war und heute noch ist - schließlich zählt der Hafen von Bergen zu den wichtigsten ganz Europas und ist Ausgangspunkt für die berühmten Hurtigruten. Am Bahnhof liegt das Lepra-Museum, welches im Mittelalter ein Hospital für Aussätzige gewesen ist. Da die norwegischen Ärzte, vor allem Gerhard Armauer Hansen, wertvolle Arbeit im Kampf gegen die Krankheit geleistet haben, ist das Hospital heute ein medizinhistorisches Museum. Gegenüber von der Festung Bergenhus liegt das Fischereimuseum, in dem der norwegische Fischfang, die Küstenkultur und die Grundlagen des Meeres erläutert werden. Im Aquarium der Stadt befindet sich in rund 70 Becken eine außergewöhnlich große Sammlung von Meerestieren aus Nordsee und Nordatlantik. Auf dem Marktplatz, Torget, der von Bronzelöwen umgeben ist, befindet sich der Fischmarkt, der mit leckeren Spezialitäten lockt. Wer die hohen Preise nicht scheut, hat hier eine große Auswahl von Krabbenbrötchen bis zur Rentiersalami vom Fleischmarkt mit fast 200-jähriger Tradition.

Auch einige Kilometer vom Zentrum entfernt liegen schöne Ausflugsziele, wie das Viertel Gamle Bergen. Das „Alte Bergen“ besteht aus über 50 Häusern, die zusammen eine rekonstruierte Stadt des 17., 18. und 19. Jahrhunderts bilden. In diesem Freilichtmuseum, das ca. 4 km außerhalb des Zentrums liegt, wird einem der besondere Charme Bergens bewusst, der durch die bunten Holzhäuser mit ihren malerischen Türen und Gesimsen entsteht.

Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist Troldhaugen (dt. Trollhügel), der ca. 10 km südlich des Zentrums gelegene Wohnsitz des Komponisten Edvard Grieg (1843-1907). Seit 1928 ist der „Trollhügel“ ein Museum. Auf diesem Anwesen kann man den Ausblick genießen, der Grieg bei seinen vielen Stücken inspiriert hat.