Die Domkirche in Växjö
Roman Voosen & Kerstin Danielsson über ihr Schaffen und die Entstehung der spannenden Småland Krimis, rund um die südschwedische Kleinstadt Växjö.
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Die Autoren im Interview

Kurzinfo

Roman Voosen & Kerstin Danielsson über ihr Schaffen und die Entstehung der spannenden Småland Krimis, rund um die südschwedische Kleinstadt Växjö.

In Schweden wird sich seit der späten 1960er Jahre geduzt. Aus diesem Grund verwenden wir auch im nachfolgenden Interview mit dem Autorenduo die Du-Form. Seien Sie neugierig auf einen Einblick in das Leben eines Autors.


Woher holt ihr euch die Ideen für eure Romane?
Roman: Oft gibt es gar nicht die eine, zündende Idee, sondern eher ein Sammeln ganz verschiedener Impulse. Das können Alltagsbeobachtungen sein, eine Zeitungsnotiz oder auch innere Bilder und Träume. Als Historikerin ist Kerstin sehr an geschichtlichen Stoffen interessiert, ich bin dagegen vielleicht eher für die kriminalistischen, düsteren Aspekte zuständig. Zusammen weben wir aus diesen zunächst flüchtigen Gedanken und Ideen unsere Geschichten.

Wie lange braucht ihr für die Fertigstellung eines Buches?
Kerstin: Von den ersten Überlegungen und Recherchen bis zum fertigen Manuskript dauert es meistens etwa ein Jahr.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schriftstellers aus?
Roman: Aus verschiedenen Gründen im Moment sehr unstrukturiert. Wir haben vor kurzem Zwillinge bekommen, deshalb geschieht das Schreiben in den Zeitfenstern, die ein Alltag mit Kleinkindern vorgibt. Aber ohne Selbstdisziplin geht es natürlich nicht, darin unterscheidet sich Schreiben kaum von anderen Tätigkeiten. Wenn man jedes Mal darauf wartet, dass einen die Muse küsst, hat man schon verloren.

Wie ist euer Schreibtisch eingerichtet? Wo ist euer Lieblingsplatz zum Schreiben?
Kerstin: Ich schreibe gern an ganz verschiedenen Orten, zum Beispiel in Cafés oder bei gutem Wetter im Garten.
Roman: Ich bin da wohl eher ein Gewohnheitstier und brauche meinen Schreibtisch. Zum Glück ist er groß genug, um dem Chaos aus Büchern, Notizen und leeren Kaffeetassen Herr zu werden.

Welche Beziehung/Verbindung habt ihr zu den Figuren in euren Büchern? Seid ihr eher eine Stina Forss oder eher eine Ingrid Nyström?
Kerstin: Stina und Ingrid begleiten uns jetzt schon fast sieben Jahre, in der Zeit baut man schon eine innige Beziehung zu den Figuren auf. Ähnlich wie zu imaginären Freunden. Charakterlich finden wir uns wahrscheinlich in beiden zum Teil wieder. Jeder von uns hat ein bisschen von Stina und ein bisschen von Ingrid in sich.
Roman, lacht: Wäre das ungleicher verteilt, würde das unser Zusammenleben ziemlich kompliziert machen.

Schreibt ihr gemeinsam die Kapitel oder teilt ihr die Geschichte vorher auf und fügt sie dann zusammen?
Roman: Wir sprechen und diskutieren viel, vor allem in der Phase, in der wir eine neue Geschichte entwickeln. Dass wir gemeinsam schreibend an einem Textabschnitt sitzen, kommt dagegen so gut wie nie vor. Wir teilen die einzelnen Kapitel nach und nach untereinander auf, aber selten nach einem festen Schema. Dann wird viel gegengelesen und kommentiert.
Kerstin: In diesem Prozess sind wir natürlich nicht zwangsläufig immer einer Meinung. Hitzige Debatten gehören dazu. Zum Glück sind wir meistens beide uneitel genug, um den besseren Argumenten zu folgen.
Roman: Wir haben das Gefühl, dass diese Reibung unseren Büchern gut tut. Als Autor neigt man dazu, seine erste Idee für die beste zu halten. Aber konstruktives Hinterfragen oder das Aufzeigen von Alternativen erhöht die Qualität der Texte merklich. Wir lektorieren uns sozusagen selbst.
Kerstin, lacht: Was nicht heißt, dass für unseren Lektor bei Kiepenheuer und Witsch keine Arbeit mehr übrig bleibt.

Wie groß ist der Zeitaufwand für Recherchen hinsichtlich der politischen Hintergründe und zur Kriminalarbeit als solcher?

Kerstin: Das unterscheidet sich von Band zu Band. Zu historischen oder politischen Hintergründen gibt es meistens gute Fachliteratur. Für den Band „In stürmischer Nacht“, in dem es um einen Orkan in Südschweden ging, der 2005 ganze Landstriche tagelang von der Außenwelt abgeschnitten hat, haben wir viele Interviews mit damals Betroffenen geführt. Eine wertvollere Quelle als Zeitzeugen kann man sich gar nicht vorstellen.
Roman: Im aktuellen Band „Erzengel“ geht es unter anderem um eine ermordete Heavy-Metal-Band. Da kann dann die Recherche auch mal aus Musikhören bestehen. Für dasselbe Buch haben wir sämtliche mittelalterliche Kirchen der Region besichtigt und waren im Eisenerzbergwerk im nordschwedischen Kiruna 700 Meter untertage. Solche Ortsbesichtigungen sind natürlich viel spannender und authentischer, als einen Wikipedia-Beitrag zu Rate zu ziehen.
Kerstin: Seit wir dauerhaft hier in Småland, meiner alten Heimat, leben, sind wir noch ein Stück näher an die wunderbare Landschaft hier, die Menschen und ihre Mentalität herangerückt. Das hilft beim Schreiben ungemein.